Nepal – Juli 2015

Eine erlebnisreiche Reise zum Himalaya nach dem Erdbeben 

Im Juli war ich mit meiner Partnerin in Nepal. Die Reise war noch vor dem Erdbeben geplant worden. Da ich eine lange gemeinsame Geschichte mit dem Land am Himalaya habe, wollten wir die Reise auch nicht absagen. Viele Freunde von uns sind dort vom Tourismus abhängig und auf Besucher angewiesen.

Als erste Reaktion auf die Beben organisierten wir dann das Kleinprojekt “Travel helps Travel”. Viele Freunde halfen uns, das Projekt publik zu machen und Geld zu sammeln.

An dieser Stelle herzlichen Dank an alle Spender!

Unsere Reise wurde nun um einen Zweck erweitert, diese gesammelten Gelder wirklich dort zu platzieren, wo Hilfe notwenig ist. Gleichzeitig wollten wir aber auch “unsere” geplante Reise durchführen und mit dem Motorrad von Kathmandu nach Mustang fahren. Eine Reise über Monsun geplagte Straßen, durch das tiefste Tal der Welt bis auf 3900 Meter hoch nach Muktinath.

Natürlich wollte ich als Touristiker auch mit eigenen Augen sehen, wie schlimm die Situation vor Ort wirklich ist. Die Medien spielen in solchen Fällen meist eine stark negative Rolle, in dem sie die Realität schlimmer darstellen, als sie in Wirklichkeit ist.

Hier also ein kleiner Bericht über Tourismus, Erdbeben, Hilfe (schenken) und warum wir denken, dass Nepal besonders jetzt einen Besuch wert ist.

Kathmandu – Ankunft

Für meine Partnerin und mich war es eine spezielle Ankunft. Sie das erste Mal am Fuße des Himalaya und ich, schon oft gesehen und erlebt, jedoch aufgewühlt, was uns erwartet.

Der Flughafen, gebaut als ich vor 30 Jahren in Nepal arbeitete, war immer noch genau gleich mit seinem “Nepali Geruch”, schmutzigen Toiletten, doch einer sehr schnellen Abfertigung. Draußen ein Wiedersehen mit Aman, einem Freund, den ich schon lange kenne. Die Fahrt in die Stadt führte zu meiner Überraschung nicht durch eine von den Medien gezeigten “zerbombte” Stadt, sondern durch Straßen mit intakten Häusern und Geschäften. Natürlich sahen wir hier und dort ein paar Schäden, aber viel weniger als erwartet. Die Infrastruktur schien überall intakt.

Auch im “Kantipur Temple House” war alles beim Alten, außer dass wir praktisch alleine im hübschen Boutique Hotel in der Nähe des Thamel waren. Gäste gab es so gut wie keine.

Ein kleiner Rundgang mit Aman zeigte uns dann schon, dass das Beben nicht spurlos an der Stadt vorbei gegangen war. In der Altstadt, wo die Häuser aus Lehm und Mörtel gebaut sind gab es doch viele Schäden und sogar eingestürzte Häuser. Aber auch hier war das Bild besser, als ich in den Medien gelesen und gesehen hatte.

Die Reise

Wir entschieden am nächsten Tag doch erstmal unsere Reise in den Westen zu machen. Dort hatte das Beben fast keine Schäden hinterlassen und der große Regen war auch noch nicht eingetroffen. Dies wollten wir nützen, denn Erdrutsche sind auch in einem normalen Monsun überall möglich. Also holten wir uns unsere Motorräder, zwei 250cc Off Road Bikes von Honda. Zwar liebäugelten wir zuerst mit den Royal Enfields und dem coolen Sound, doch am Schluss entschieden wir uns für die Stollenbikes, eine gute Wahl wie sich herausstellen sollte.

Die Reise gegen Westen – Bandipur

Der nächste Tag begann mit einer neuen Welt, fahren auf der “falschen” Seite, Abgase und Chaos in Nepals Hauptstadt. Für mich war es etwas einfacher, hatte ich doch mal hier gelebt, also hängte sich Sibylle bei mir an. Das Kathmandutal ist ein Chaos sondergleichen. Lastwagen, Motorräder, Fahrräder, Rikshas und zwischendurch Menschen und Kühe die über die Straße drängten. Der erste Ritt auf unseren Holperstühlen brauchte dann auch seine Zeit, bis wir endlich auf dem ersten Pass über dem Tal standen.

Der Anblick über Nepal’s Hügel und Täler ist immer wieder überwältigend. Hinter uns die Pfanne von Kathmandu, vor uns die ewigen Hügel mit den schier endlosen Reisterrassen.

Der erste Tag wurde für uns zum Abtasten des Verkehrs, schließlich fuhren wir die ersten 100 Km auf der meist befahrenen Verbindungsachse mit Indien. Zu unserer Überraschung war die Straße in gutem Zustand und die Spuren des Erdbebens kaum irgendwo sichtbar.

Bandipur – ein Autofreies Newari Dorf 

Ursprünglicher und traditioneller als das ebenfalls autofreie Zermatt präsentierte sich das kleine Dorf Bandipur hoch über dem Tal auf einer Hügelkuppe mit genialer Sicht auf den Himalaya. Unsere Unterkunft, das kleine “Gaunghar” war sauber, einfach und hübsch mit einer ausgezeichneten Küche. Wir bauten einen Tag zum Entspannen ein. Kleine Spaziergänge und endlich wirklich “Ankommen” in Nepal.

DSCF5989

Pokhara – am Fusse des mächtigen Annapurna

Pokhara, das Mekka der Annapurna Trekker, war beängstigend menschenleer. Keine Spur von Erdbeben, keine Schäden, nichts und doch keine Besucher. Die vielen kleinen Restaurants, Läden und Hotels erleben eine harte Zeit. Viele sind eingemietet und können die Miete nicht bezahlen. Die Hotels und Restaurants schicken ihre Angestellten in die Dörfer zurück.

Für viele ein hartes Los, von den Medien und dem Tourismus abhängig zu sein. Bleibt zu hoffen, dass der Tourismus sich bald wieder etwas auffängt und die Besucher zurück kommen.

Tatopani – das tiefste Tal der Welt

Und dann ging’s ab in die Hügel. Zuerst noch auf Asphalt oder wie in Nepal üblich teilweise Asphalt im Wechsel mit den schönsten Schlaglöchern der Welt. Ab und zu eine Furt zur Flussüberquerung, schließlich ist das günstiger als Brücken bauen. Ich nahm dann in Kusma noch die falsche Abzweigung und bescherte uns die erste Schotterstrasse mit Neigungen, die sich normalerweise eher zum Klettern eignen. Schon dachten wir, das ist wohl das schwierigste Stück des Weges, aber weit gefehlt ;-).

DSCF5770

Nach Beni hörte dann der Begriff “Straße” endgültig auf. Kurz nach Beni dann die erste wirklich große Hürde. Ein Felsabbruch hatte hier vor ein paar Tagen noch das ganze Tal versperrt und das Militär wollte schon die Bevölkerung flussabwärts evakuieren, als der Fluss dann schließlich doch noch einen Weg fand. Fast von Hand war hier jedoch schon eine Piste entstanden, die sich in Kurven über den gewaltigen Schuttkegel wand. Mit Schlamm bis zur Achse wurde es dann schon eher ein Murksen und Schieben bis die ca. 7 KM (laut KM Zähler von meinem Moto) überwunden waren. Stellen Sie sich einfach mal die Dimension dieses Abbruchs vor, dass man glatte sieben Kilometer brauchte um darüber weg zu kommen. Gegen Abend erreichten wir dann auch völlig geschafft Tatopani, einen Ort auf 1100 Metern Höhe im Kali Gandaki, Ausgangsort zum tiefsten Tal der Welt.

DSCF5751

DSCF5313

Tatopani nach Ghasa (von 1100 auf 2100 Meter in 20 km)

Am nächsten Tag ging es ging bergauf, bergauf und nochmals bergauf. Die Straße war ein ausgewaschenes Flussbett mit den obligaten Wasserdurchfahrten und elend langen Schlammstellen, damit uns auch ja nicht langweilig wurde. Die Straße wand sich am Fluss entlang und über uns konnten wir die über 8000 Meter hohen Riesen Annapurna und Dhaulagiri nur erahnen, die dieses Tal zur tiefsten Schlucht der Welt machen. Oft führte die Piste an endlos tiefen Abgründen vorbei und jeder Stein, der das Vorderrad wieder mal Richtung Tiefe schob, wurde von einem Adrenalinschub begleitet. Zudem machte mein gelbes Moto nicht gerade mit, wenn ich mal wieder ein wenig Extraschub brauchte und die Kupplung lief oft mal heiß. Zum Glück hatte Sibylle ein neues Motorrad, das um einiges besser zu fahren war. Ihr Problem war eher, dass sie auf dem hohen Sitz nur mit den Fußspitzen zu Boden kam, nicht gerade ideal, wenn es auf einer Seite ein paar hundert Meter in die Tiefe geht.

Ach ja, da war noch der Rupse Wasserfall. Wildwasser bis zum Tank und nur mit einheimischer Hilfe zu bewältigen. Mutig stürzten sich ungefähr 6 Männer in die Fluten und schoben, trugen das Moto sicher auf die andere Seite. Wir hatten das Privileg den Fluss auf zwei über den Fluss gelegten Baumstämmen zu überqueren.

DSCF5249

Eigentlich wollten wir weiter hoch bis Lete, entschieden uns dann aber, in Ghasa Halt zu machen. Dort übernachteten wir in einer Lodge, die schon bessere Tage gesehen hatte. Doch die Besitzerin war super nett und das Essen exzellent.

Begegnung in Ghasa

Im Gespräch mit der Besitzerin erfuhren wir dann viel über ihre Familie und die neuen Umstände seit dem Bau der Straße. Sie ist stolze Mutter von vier Kindern, die alle studieren, zwei davon sogar in Bangladesh. Bald wird sie stolze Mutter von einem Arzt einer Ingenieurin und einer Doktorandin in Literatur sein. Das Jüngste geht noch in Kathmandu zur Schule. Eigentlich kaum zu glauben, wenn man die Abgeschiedenheit des Ortes kennt. Der Tourismus in Ghasa hat sich seit der Straße drastisch verändert. Vor der Piste, die hier sogar liebevoll “Highway” genannt wird, war hier ein wichtiger Übernachtungsort für die Trekker. Heute wollen alle schneller rings um den Annapurna und lassen sich von Tatopani nach Jomsom mit dem 4 x 4 chauffieren. Die Mutigen nehmen sogar den lokalen Bus, der hier nach der Regenzeit wieder verkehren soll.

DSCF5301

Lete – Alpenidylle am Himalaya

Mit müden Gliedern ging’s am nächsten Tag weiter talaufwärts. Endlich waren wir hinter dem Himalaya und im Schatten des Monsuns angelangt. Die gewaltigen Massive des Annapurna und des Dhaulagiri blocken hier die Wolken und der Regen dringt nur noch spärlich durch.

Kurz nach Ghasa stellt sich denn auch der wirkliche Offroad Fahrspaß ein. Der Schlamm weicht einem festen Untergrund und die Fahrspur ist nicht mehr mit gefährlichen Steinbrocken übersät, die mal halten und sich mal drehen, weg kollern und dem Reifen immer wieder Richtungsänderungen aufzwangen. Die Piste ist weniger ausgewaschen und wir kommen nun zügiger vorwärts.

Plötzlich ebnet sich das Tal und wird breiter. Wir sind in Lete angekommen. Diese Landschaft könnte gerade so auch gut in den Alpen liegen. Nadelwälder, Kartoffelfelder und kühlere Luft. Eine Wohltat nach der wassergesättigten Luft der Regenzone.

Nach Lete ändert sich die Landschaft schnell. Es wird immer karger und bald sind wir in der regenärmsten Zone Nepals. Wir sind endgültig in Mustang angekommen.

DSCF5722DSCF5370

Jomsom – Im Tal der Wüste (hinter dem Himalaya)

Jomsom ist der Ausgangspunkt für die Trekkings nach Lo Manthang, dem halb autonomen Königreich an der Grenze zu Tibet. Es ist auch der Ausgangspunkt für Expeditionen auf den Dhaulagiri oder den Nilgiri, der hier vor der Türe steht. Zudem brauchen viele heute den Flughafen, um den Trek um den Annapurna auf eine Woche zu verkürzen. Eine Tour der vor ein paar Jahren noch 3 Wochen brauchte.

DSCF5404DSCF5667DSCF5552

Jomsom hat ein paar wirklich schöne Lodges, nette Menschen und sogar 3 ATM’s, sollte mal einer funktionieren.

Muktinath – Pilgerziel auf 3900 Metern Höhe

Eigentlich sollte dies die Königsetappe werden, mit dem Motorrad bis auf 3800 Meter hoch. Wir entschieden uns aber dann, einen Tagesausflug mit dem Bus zu machen. Ohne Helm, Ausrüstung, etc. Eine gute Idee. Zeit zum fotografieren, plaudern und die Natur und die Menschen zu beobachten. Ein Tag ohne dauernd auf loses Geröll zu achten, das sich gespickt mit fussballgroßen Steinen gerne auf der Fahrspur breit macht. Der Bus war super farbig und erst noch mit Musik! Wir hatten Glück – die Sonne schien und die Berge zeigten sich den ganzen Tag. Es war einfach ein super schöner Tag.

Muktinath ist Pilgerziel für Hindus und neuerdings auch für Buddhisten. Das war bei meinem ersten Besuch vor 30 Jahren noch nicht so. Da war bloß der kleine Shiva Tempel, ohne Dekoration und religiösen Firlefanz. Heute gibt es buddhistische Gompas und um den Tempel gibt es Gästehäuser, Foto-Sadhus, etc.

DSCF5716

DSCF5717 - Version 2

Rückreise nach Kathmandu

Muktinath ist mit dem Motorrad eine Sackgasse und wir fuhren bis nach Kathmandu den gleichen Weg zurück. Zurück ging die Reise etwas schneller und wir hüpften mit dem Motorrad von Stein zu Stein, Pfütze zu Pfütze.

Was uns auf dem Rückweg sehr beeindruckt hat, war der bereits erwähnte schwere Felsabbruch bei Beni. Innerhalb der paar Tage war hier schon fast eine Straße entstanden. Busse und sogar ein paar wagemutige Autos passierten die Stelle schon wieder. Von Hand waren Steine eingefüllt worden, bis eine stabile Spur für Lastwagen und Busse entstand. Einfach einmalig, wie sich diese Menschen in der Not zu helfen wissen.

DSCF5761

Bergsicht wie zur besten Jahreszeit

Von Pokhara und Bandipur hatten wir dann das riesige Glück, den Himalaya zu sehen. Normalerweise ist er während der Regenzeit von gewaltigen Wolken versperrt, doch für uns öffnete er den Schleier und wir hatten 3 Tage lang klare Sicht auf die größten Berge der Welt.

DSCF6155

Reifen Geschichten

Einen platten Reifen zu reparieren kostet übrigens 1 Schweizer Franken. Wenn man einen neuen Schlauch braucht und keinen findet im Dorf, wird trotzdem geholfen. Es wird von einem andern Motorrad der Schlauch ausgebaut, so dass man trotzdem ans Ziel kommt. Der Besitzer des Spender-Schlauchs wartet dann einfach einen Tag oder zwei, bis ein neuer Schlauch eintrifft. Man bezahlt den Schlauch und weil die Arbeit etwas aufwändiger ist halt 2 Franken, statt einen.

DSCF5930

Zweiter Teil der Reise: https://beatgermann.com/2015/09/03/travel-helps-travel-nepal/

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: