“Travel helps travel” – Nepal

Das Projekt “Travel helps travel”

Die Grundidee war, dass nach dem Beben viele Menschen im Tourismus ihre Arbeit verlieren. Durch eine Finanzhilfe der westlichen Reiseveranstalter sollte sichergestellt werden, dass Jobs erhalten werden können. Im Gegenzug sollten dann diese Leute im Wiederaufbau helfen.

Es kommt immer anders. Die Idee, dass man mit den Geldern Jobs erhalten kann ist gut. Unrealistisch erwies sich aber der Gedanke, dass diese Menschen helfen können, da ihnen das Wissen fehlt. Deshalb entscheiden wir, dass wir zusammen mit Subechya und Prabighya und ihrem Team den Bau von Bambusstrukturen unterstützen.

Wir haben für das Projekt bis jetzt 3700 Schweizer Franken gesammelt. Das Geld wurde direkt nach Nepal mitgebracht. Damit finanzierten wir Schulzimmer und Bambushäuser im Kathmandutal. Zudem wurde Aman, ein Reiseleiter, mit 500 Franken unterstützt, damit sein Haus nicht absackt und auseinander bricht. Mit dem Geld kann er nun einen Sockel und eine Stützmauer bauen. Das Nachbarhaus ist unbewohnbar und muss abgebrochen werden.DSCF6655

Sibylle und Aman vor seinem Haus

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Das Haus rechts ist von Aman, das Haus links muss wegen Strukturschäden abgebrochen werden.

Eindrücke im Kathmandu Tal

Nach der Rückkehr aus den Bergen besuchten wir mehrere Tage Orte im Kathmandutal.

Viele Orte sind komplett erhalten, andere dagegen sahen aus als wären sie von Bomben zerstört. Es gibt keine grossflächigen Zerstörungen, fast selektiv wurden bestimmte Stadtteile oder Orte aus allen Fugen gerüttelt. Andere Teile des Tales sind weitgehend intakt.

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Überall im Tal wird aufgeräumt

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Der erste Schritt – Ein Dach über dem Kopf

Für viele Bauern ist jetzt die Zeit des Reis Pflanzens und sie können sich nicht gleichzeitig noch um ihre unbewohnbaren Häuser kümmern. Hier ist das Projekt mit den Bambushäusern sehr effizient, denn diese können fast innerhalb eines Tages erbaut werden und werden dann von den Besitzern nachträglich noch verschönert. Die Menschen haben ein schnelles Dach über dem Kopf. Diese Notbehausungen sind auch viel besser als die zahlreichen Wellblech-Strukturen, die überall im Tal entstanden sind. Oft können dort die Menschen nicht einmal aufrecht stehen und zudem sind diese Bauten im Sommer extrem heiss. An vielen Orten sahen wir zudem auf einer einzigen Struktur viele Symbole von Hilfswerken, als ob die bloß damit beschäftigt sind, ihre Beweise für die Hilfe anzubringen. Auch auf den Bambushäusern von Subechya und Prabighya (die später noch Erwähnung finden) sind am nächsten Tag oft Kleber und Banner von andern Projekten zu sehen. Die beiden haben sich gegen jedes Plakatieren der von ihnen unterstützten Bauten entschieden.

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Bambus auf dem Weg zur Schulen, wo damit neue Klassenzimmer gebaut werden.

Bambushäuser mit Mehrzweck

Die Idee der Bambushäuser stammt von Bharat und wurde mittlerweile von vielen Organisationen kopiert. Wir sahen gute und schlechte Beispiele und lernten über “neuen” und “alten” Bambus.

Im Osten Nepals, in Koshi Tappu betreibt Bharat ein Camp für Vogel-Beobachtungen. Die Dörfer in dieser Region sind zum Grossteil aus Bambus gebaut. Bharat betreibt zudem eine kleine organische Farm in Gundu, am Rande des Kathmandu Tals und dort steht das erste Beispiel der schnell gebauten und erdbebensicheren Bambusstruktur, sein Kuhstall.

Das Projekt von Bharat, Subechya und Prabighya baut den Bewohnern bessere Kuhställe, die sie unterteilen können und die übergangsweise als Notunterkünfte dienen. Diese Strukturen werden von innen mit Lehm versiegelt und sind damit wind- und wetterdicht. Später, wenn die Bewohner wieder in ihre Häuser umziehen können, sind diese Strukturen ideal als Ställe und Speicher. Damit die Strukturen lange halten, haben die Drei Spezialisten aus der Region von Koshi Tappu geholt und stellen sicher, dass nur “alter” Bambus gebraucht wird, da dieser eine viel längere Lebensdauer hat und nicht schimmelt. Neben Wohnhäusern hat das Projekt mittlerweile auch Schulzimmer und Erntespeicher finanziert und gebaut.

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Notunterkunft im Vordergrund. Hinten sieht man das nicht mehr bewohnbare Haupthaus.

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Ehepaar vor der Notunterkunft, die sie jetzt selber weiter einrichten und mit Lehm verputzen.

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Der Lehm wird vorbereitet

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Frauenpower – Subechya und Prabighya

Eines der schönsten Erlebnisse auf unserer Reise war bestimmt die Zusammenarbeit mit den beiden Schwestern Subechya und Prabighya.  Einfach wundervoll, wie die beiden sich für die betroffenen Dörfer und Familien einsetzen. Bis jetzt wurden mit den gesammelten Geldern über 300 Bambushäuser gebaut. Mit Charme und positiver Energie helfen diese zwei jungen Frauen so vielen Menschen, unabhängig von irgendwelchen Organisationen und Institutionen. Sie helfen, weil sie ihr Land lieben. In all dem Elend sind die beiden ein Funken Freude, der ansteckt und die Menschen trotz ihres Leides animiert, an eine gute Zukunft zu glauben.

Die beiden und ihr kleines Team werden zudem von ihren Familien unterstützt und sind deshalb selber nicht auf irgendwelche Finanzen aus unseren Spenden angewiesen. Somit sind die gesammelten Gelder alle direkt in die Projekte investiert worden.

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Bharat der Mann im Hintergrund

Bharat ist seit 1991 mit mir befreundet. Er ist der Vater und Beistand von Subechya und Prabighya.  Bharat ist Aktivist und war Initiator, dass endlich die 500 Tonnen Müll aus dem Everest Basecamp runtergeschleppt wurden. Heute dürfen die Expeditionen keinen Müll mehr liegen lassen, was früher mit einer Selbstverständlichkeit getan wurde, denn schließlich konnten die Expeditionen so viel Geld sparen. Er ist auch maßgeblich daran beteiligt, dass in Kathmandu offiziell in den Läden keine Plastiktüten mehr abgegeben werden dürfen. Diese Regel ging leider in den Medien unter, da diese kurz vor dem Beben in Kraft gesetzt wurde.

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Wo wir helfen

Gundu

Gundu liegt am Rande das Kathmandutales in der Nähe von Bhaktapur. Hier hat das Beben sehr viele Häuser unbewohnbar gemacht. Hier wurde vor allem Privatpersonen geholfen die ihre Häuser nicht mehr bewohnen können. Zudem kommt ein Projekt in Gang, einer Schule zu helfen, neue Klassenräume zu bauen, da diese zum Teil nicht mehr brauchbar sind. Gundu hat den großen Vorteil, dass die Bauern auf Einzelhöfen wohnen und wir neben den zerstörten Häusern die Notunterkünfte bauen konnten. Meist können deshalb auch die sanitären Anlagen und die Wasserversorgung weiter benutzt werden.

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Bungamati und Khokana – beides Vororte von Kathmandu. 

In beiden Fällen haben wir im Vergleich zu Gundu ein Platzproblem. Die Bauern hier leben nicht wie in Gundu auf Einzelhöfen, sondern mitten im Dorf und bewirtschaften die Felder außerhalb. Das größte Problem hier sind deshalb auch die sanitären Anlagen und die Wasserversorgung.

Ein weiteres Projekt ist eine Nothilfe an einer Schule, bei der immer noch Klassenzimmer benutzt werden die strukturell gefährlich sind. In den letzten Tagen sind hier neue Klassenzimmer entstanden.

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Der rote Punkt auf dem Gebäude sagt, dass das Haus nicht sicher ist und trotzdem wird hier weiter unterrichtet.

Eine Zusammenfassung

Nachträglich haben wir lange mit unseren nepalesischen Freunden über das Wesen der “Hilfe” diskutiert. Ganz klar brauchte es in vielen Fällen eine Soforthilfe, genau wir bei uns bei Unfällen, Unwettern, etc. Diese Soforthilfe ist nötig, damit Menschen überleben und an einen Neuanfang denken können.

Wir möchten an dieser Stelle auch gerne noch einmal allen danken, die uns unterstützt haben. Das Projekt geht übrigens noch ein paar Monate weiter und wir möchten noch an ein paar weiteren Orten helfen. Es fehlt vielerorts an sicheren Klassenzimmern. Im Dezember wird es kalt und da ist ein Unterrichten im Freien nicht mehr möglich. Unsere Bambushäuser können mit wenig Aufwand wind- und wetterdicht gemacht werden und nötigenfalls halten diese Strukturen mehr als 10 Jahre. Bis dann sollten hoffentlich an den meisten Orten neue Schulen entstanden sein.

Die Frage ist, was kommt nachher? Ein Land wie Nepal, das zu den ärmsten der Welt zählt, ist seit den Anfängen der so genannten Entwicklungshilfe zum Opfer der Korruption degradiert worden. Viele der grossen Hilfswerke tun ihren Teil dazu, denn sie verpflichten sich, ihre Gelder nachweislich auszugeben. Wir sprachen mit ein paar der großen Hotels in Kathmandu, die auf Grund der Beben fast leer stehen. Die einzigen Kunden sind die internationalen Hilfswerke. Die Parkplätze vor den Hotels sind voll mit riesigen 4X4 Fahrzeugen mit “Save the children”, UNESCO, etc Aufschriften.

Was laut der Hoteliers nicht passiert, ist eine mediale Berichterstattung zur Dokumentation der Fortschritte. Die Journalisten haben 2 Wochen nach den ersten “Horrorstories” das Land verlassen, auf der Suche nach neuen Negativsensationen. Was dem Land fehlt sind Berichte, dass die Infrastruktur zum großen Teil intakt ist, dass das Land wieder gefahrlos besucht werden kann. Der von uns besuchte Westen des Landes ist nie von den Beben betroffen gewesen, so auch der Süden. Die Nationalparks sind intakt und können gefahrlos besucht werden. Selbst das Everest Gebiet, das im Zentrum des zweiten großen Bebens war kann ohne große Probleme besucht werden. Auch der Kodari Highway, der Nepal mit Tibet verbindet, ist wieder offen. Natürlich gibt es Gebiete wie der Langtang, wo ein ganzes Dorf von einer Lawine verschüttet wurde, die länger brauchen bis sie wieder Besucher empfangen können.

Es ist auch so, dass im Kathmandutal einige der wichtigsten Monumente Schaden genommen haben und Besucher vor allem dort die Gewalt der Katastrophe am deutlichsten nachvollziehen können. Ja, Nepal hat die gewaltige Macht der Natur zu spüren bekommen und viele Menschen sind dabei gestorben und noch mehr wurden dadurch obdachlos. Und doch war es kein Krieg, der das Land im Elend versinken lässt, es war eine Demonstration der Natur. Diese Kraft hat sich nun zurück gezogen und das Land ist wieder sicher wie zuvor.

Wir finden, dass ein Besuch des Landes jetzt die beste Hilfe ist, die Nepal braucht. Besuche von Touristen stärken den Selbstrespekt des Landes und der Menschen dort. Ein Besuch eliminiert auch die Möglichkeit, dass Ihr Geld in die Korruption fließt. Sie erhalten einen Gegenwert und stärken damit den Wiederaufbau des Landes. Wenn es eine sekundäre Hilfe gibt, die das Land jetzt braucht, dann sind es viele Besucher. Diese werden auch den nötigen Druck auf die Regierung ausüben, die Monumente wieder aufzubauen und sie erhalten damit Arbeitsplätze. Mit einem Besuch würde “Travel helps travel” in seiner Essenz realisiert.

One Comment on ““Travel helps travel” – Nepal

  1. Pingback: Nepal – Juli 2015 | The constant traveler

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